Zeichnerische Darstellung eines römischen Cingulums

Das Cingulum

Das hauptsächliche Erkennungsmerkmal eines Legionärs war sein mit Metallplättchen beschlagener Gürtel. Dieser wurde sowohl auf der Tunika, als auch auf der Rüstung getragen. Die Metallplättchen konnten sehr hochwertig sein und bildeten teils eine Notfallwährung für die Legionäre, die verpfändet oder verkauft werden konnte. Unter dem Gürtel wurde bisweilen auch ein gefaltener Stoff getragen, in den Legionäre Alltagsgegenstände steckten.

Geschichtlicher Hintergrund

Mit der Zeit war der Gürtel einer gewissen Mode unterworfen, sodass die Breite und die Motive sich über die Zeit verändert haben. Eine sehr gute Einführung in das diese Mode gibt dieser Artikel von Eckhard Deschler-Erb. Von einem zeitlichen Aspekt her kommen die relevanten Schnallen für eine Darstellung um 150 n.Chr. gegen Ende, insbesondere in Abbildung 4 und 5. In der Gruppe gibt es einige selbst gemachte Gürtel, die sich an Funden mit Durchbruchornamentik orientieren. Es gibt eine Doktorarbeit von Stefanie Hoss "CINGULUM MILITARE - Studien zum römischen Soldatengürtel des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr." die sich sehr ausführlich mit dem Thema beschäftigt und eine wunderbare Vielzahl an Abbildungen von Fundstücken bietet.

Herstellung eines Cingulum

Materialien

Es ist davon auszugehen, dass der Gürtel überwiegend aus Leder gearbeitet war. Es gibt Funde, bei denen das Leder zu der Zeit durchbrochen war (Thorsberg) oder mit Stickereien (z.T. Golddraht, Vimose) verziert war. Man kann entweder ein dünneres Leder nehmen, welches an beiden Längsseiten umgeklappt wird und am Rand vernäht wird (so entsteht ein Schlauch, der mit z.B. Stoff gefüllt war). Dann wurde der Schlauch der Länge nach mit zwei Ziernäten pro Seite versehen. Anhand der Formung des Gürtels auf einigen Grabsteinen könnte dieser am Rand auch dicker gewesen sein. Doch Leder und pflanzliche Bestandteile haben sich in unseren Breiten nicht gut erhalten, weshalb die Machart nicht abschließend und allumfassend geklärt werden kann. Entsprechend ist es für uns auch akzeptabel, einen dicken Lederriemen (z.B. etwa 3-4mm dick) zu verwenden. Der Gürtel selbst hat meist eine Verjüngung an dem Teil, der durch die Schnalle geführt wird. Im zweiten Jahrhundert n. Chr. wurden die Bleche zunächst schmaler, dann durchbrochen -- es ist also gut denkbar, dass die Gürtel die Breite behalten haben und mehr sichtbar wurden. Auch Verzierungen werden so sichtbarer. Diese Entwicklung ist ein bisschen spekulativ, da es zu der Zeit eher einfachere Grabsteine gab, doch da im 3. Jahrhundert die Gürtel noch breiter und die Beschläge kleiner wurden, würde es ins Bild passen.

Da die Verzierungen auch als "fest montierte Notfallgeldbörse" fungierten, waren sie oft aus werthaltigem Material, oft versilbert oder komplett aus Silber. Wir nehmen gerne Messing, da es damals auch wertvoll war, sich gut bearbeiten lässt und heutzutage deutlich erschwinglicher ist. Für Laien erweckt der goldene Glanz genau die richtigen Assoziationen, wenn man möchte, kann man das Messing aber immer noch versilbern.

Die Beschläge waren wohl so auf dem Gürtel angeordnet, dass von der Zunge her wenige Beschläge kamen, dann die Aufhängung für den Pugio, dann einige Beschläge am Rücken entlang und schlussendlich die Schnalle in Verbindung mit der letzten Zierplatte. Die Halterung des Pugios konnte sowohl über ein Scharnier mit der angrenzenden Platte verbunden sein, als auch als eigenständiges Teil montiert werden.

Die senkrecht herabhängenden Streifen bilden eine Art Schürze. Diese war der Mode unterworfen und variierte in der Länge, bevor es im Laufe des 2. Jahrhunderts außer Mode geriet. Vermutlich erhofften sich die Legionäre eine Schutzwirkung ihrer Männlichkeit, doch diese ist erfahrungsgemäß eher gering. Laut Darstellungen waren die Streifen reichlich verziert, und doch ist die Fundlage schwierig, da viele Funde nicht eindeutig einem Gürtel zugeordnet werden können, sondern auch z.B. vom Geschirr eines Pferdes stammen könnten. Der wohl eindeutigste Fund wurde vor langer Zeit aus dem Rhein geborgen, einmal skizziert und ging dann verloren.

Weitere Beispiele und Tipps zur Herstellung können auf Legio XX gefunden werden.